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Trends in der IT

Cloud Computing

Marco Spitzer
Marco SpitzerStudierte Informatik in Montreal und Bonn. Nach dem Studium begann
er als Servicemanager für das SAP-Hostingcenter der Bundeswehr. Hier
war er verantwortlich für Planung & Design, Change- und Releasema-
nagement für ca. 20.000 Anwender. Später war er im Telekom-Kon-
zern als Technical Account Manager für Datacenter-Technologien tätig.
Aktuell ist Spitzer operativer Leiter der technischen Prozessbereiche der
Urano Informationssystem GmbH. Er ist zuständig für Organisation und
Controlling des operativen Tagesgeschäfts für ca. 90 Techniker.

 

Urano Informationssysteme GmbH
Urano Informationssysteme GmbH wurde 1990 in Ingelheim gegründet. Von einem PC-
Service Unternehmen ist es rasch zu einem renommierten IT-Systemhaus gewachsen, das
Hard- und Software Services unabhängig von einem Hersteller anbieten. Es gehört zu den
„Preferred Partner Gold“ von Hewlett-Packard und erarbeitet firmenspezifische Lösun-
gen für die Bereiche Printing, Client, Server, Storage, Netzwerk, IT-Services und Hosting.
Bundesweit setzt Urano 53 Millionen um und beschäftigt an 15 Standorten über 380 Mit-
arbeiter. Industrie- und mittelständische Unternehmen, Verwaltungen und andere öffentli-
che Einrichtungen gehören zum Kundenkreis von Urano. Der Online-Shop von Urano zählt
zu den leistungsfähigsten Bestellplattformen für IT-Produkte und Multimedia.


Interview

Herr Spitzer, was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Cloud Computing?
Es ist schwer, eine einheitliche Definition für Cloud Computing zu treffen. Man kann
sagen, dass Cloud Computing eine ganze On-Demand Infrastruktur, wie z. B. Server
und Spei­cherkapazitäten und eine On-Demand-Soft­ware, wie das Betriebssystem
oder die Middle­ware bereitstellt, die flexibel skalierbar ist.

 

Auf welchen grundlegenden Techniken basiert Cloud Computing?
Die grundlegenden Voraussetzungen sind das Clustering und die Virtualisierung. Ein-
fach gesagt: Die Ressourcen mehrerer Rechner werden zu einem System verbunden
und mit Hilfe von Virtualisierung werden dann die Instanzen erstellt.

 

Woraus besteht ein typischer Cloud-Service?
Bei IaaS (Infrastructure as a Service) mietet der Kunde die benötigte Hardware als
virtuellen Service. Bei PaaS (Platform as a Service), das eine Ebene höher angesiedelt
ist, stellt man Plattformen für die Entwickler bereit. Microsoft bietet beispielsweise
die Entwicklungsumgebung Azure an oder Google die Google App Engine.

 

Welche Arten der Cloud gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Arten der „Clouds“: Private Cloud, Pub-
lic Cloud und eine Art Kombination – Hybrid Cloud. Die Private Cloud ist – wie der Name
schon verrät – privat. Die Cloud wird im Unternehmen mit eigener Technik aufge-
baut und steht jeden Mitarbeiter immer und unabhängig vom Ort zur Verfügugung.
Mit der öffentlichen, also der Public Cloud, erweitert das Unternehmen seine IT-
Strukturen mit externen Leistungen und verfügt damit über mehr skalierbare Ressour-
cen. Mehrere Unternehmen teilen sich also die Ressourcen.
Die Hybrid Cloud ist – wie gesagt – eine Mischform. Das Unternehmen betreibt seine
eigene Private Cloud und setzt beispielsweise bei Belastungsspitzen zusätzlich auf Pub-
lic Cloud Dienste.

 

Welchen Nutzen bringt Cloud Computing Unternehmen?
Geschäftsanwendungen sind kompliziert und teuer. Die Cloud bringt Flexibilität und
Skalierbarkeit – keine Anfangsinvestition, sondern laufende Kosten. Durch die Cloud
besteht ein weltweiter Zugriff auf Daten, Programme und Dienste ohne komplexe
Infrastruktur. Es entstehen auch Kostenvorteile für die Unternehmen. Man spricht
hier vom sogenannten „Pay per Use“, d. h. das Unternehmen zahlt nur dann, wenn es
die Dienste auch tatsächlich in Anspruch nimmt. Dadurch werden Lastspitzen durch
saisonale oder konjunkturabhängige Geschäftsentwicklungen abgefangen. Durch
Cloud Computing können sich die Unternehmen ganz auf ihre Kernkompetenzen
fokussieren.

 

Wie unterscheidet sich Cloud Computing von SaaS?
Man kann nicht sagen, dass SaaS sich von Cloud Computing unterscheidet. SaaS steht
für Software as a Service und ist ein Bestandteil des Cloud Computing, wie unter
anderem auch IaaS und PaaS.

 

Wie unterscheidet sich Cloud Computing vom Konzept Computing on Demand?
Auch hier ist es so. Cloud Computing und Computing on Demand kann man nicht so
einfach unterscheiden. SaaS ist, wie eben erwähnt ein Bestandteil von Cloud Compu-
ting. Computing on Demand ist wiederrum ein Bestandteil von SaaS. Der Schwerpunkt
von On-Demand-Computing liegt in der Kostensenkung.

 

Wie unterscheidet sich Cloud Computing von klassischen Outsourcing-Diensten?
Bei Outsourcing werden ganze Geschäftsprozesse zu einem externen Dienstleister
ausgelagert. Cloud Computing bietet hohe Flexibilität bei geringen Kosten und ist im
Gegensatz zum reinen Outsourcing flexibler, da leichter skalierbar.

 

Wie können Unternehmen die Vorteile des Cloud Computing nutzen, ohne bei der Datensicherheit Risiken einzugehen?
Die Datensicherheit ist eine wichtige Frage, mit der sich Endkunden intensiv auseinander
setzen müssen. Wichtig ist, einen Anbieter in Deutschland zu wählen. Die Standards in
Deutschland sind strenger als in vielen anderen Ländern. Am besten bevorzugt man hier
deutsche Firmen.

 

Worin genau unterscheidet sich die „Private Cloud“ von anderen Modellen und welche Vorteile hat sie?
Wie bereits erwähnt gibt es drei Arten von „Clouds“: Private, Public und Hybrid Cloud.
Viele Unternehmen, die sich mit dem Einsatz der Cloud beschäftigen, konzen-
trieren sich vorrangig um Angebote der Private Cloud, die Cloud Computing in
einem sicheren Umfeld ermöglichen. Für große Unternehmen bietet sich die Pri-
vate Cloud an, wenn es um geschäftsentscheidende Datensätze geht und ein
gemischtes Cloud Szenario (Anmerkung: Hybrid Cloud) aus betrieblichen, rechtli-
chen oder politischen Gründen nicht realisierbar ist.
Cloud Dienste der Public Cloud können von mehreren Unternehmen oder mehreren
Benutzern innerhalb eines Unternehmens genutzt werden. Sie bietet sich vor allem für
Unternehmen an, die einen hohen Standardisierungs-Level haben.
Mit einer Private Cloud können die Vorteile von Cloud Services genutzt werden,
wenn aus betrieblichen, rechtlichen oder politischen Gründen eine Public Cloud oder
ein gemischtes Cloud Szenario („Hybrid Cloud“) nicht realisierbar ist.

 

Wie sehen Sie die Zukunft beziehungsweise die Entwicklung von Cloud Computing?
Ich denke, dass Cloud Computing die Zukunft gehört. Die Unternehmen verschlan-
ken ihre IT und bezahlen nur die Kapazitäten, die sie auch nutzen – pay per use. Die
Unternehmen sind schneller und flexibler und können sich auf ihre Kernkompetenzen
konzentrieren. Momentan herrscht noch etwas Zurückhaltung bei den Firmen und man blickt
Cloud Computing noch ein wenig skeptisch entgegen. Hier müssen die Anbieter
von Cloud Diensten daran arbeiten, die Bedenken der Kunden auszuräumen. Wenn
potenzielle Nutzer sehen, wie andere Unternehmen von Cloud Computing profitieren
und der konkrete Mehrwert ersichtlich wird, dann werden immer mehr Unternehmen
auf diesen Zug aufspringen.

 

Welche Aufgaben, Daten oder Anwendungen werden der Cloud eher von den Unternehmen anvertraut und welche eher nicht?
Momentan ist es so, dass Cloud Computing meist bei Unterstützungsprozessen Einsatz
findet. Bei geschäftskritischen Anwendungen oder Kernsystemen sind die Unterneh-
men noch eher zurückhaltend.

 

Ab welcher Unternehmensgröße ist es sinnvoll sich nach Cloud Services umzuschauen?
Ein Unternehmen, das Cloud Computing einsetzen möchte, muss allen voran eine
„Cloud Strategie“ entwickeln. Momentan setzen viele Firmen Cloud Dienste
nur punktuell ein. Natürlich macht es bei einem kleinen Zwei-Mann-Betrieb
mit zwei Rechnern und zwei Druckern wenig Sinn, die IT auszulagern. Generell
kann man sagen, dass man sich ab ca. 20 Usern Gedanken machen kann. Es hängt
allerdings nicht nur von der Anzahl der User ab. Es kommt vor allem auch auf die
individuellen Anforderungen des Unternehmens an.